Die Atemfänger

Strafschiff vor der Küste Vintergards

Go to the english version: The Breathcatcher

Grundprinzipien des frostmenschlichen Strafsystems

Die Frostmenschen bilden eine starke Gemeinschaft und haben ihr Leben darauf ausgerichtet, dass sie auch nur in der Gemeinschaft überleben können. Die Überzeugung, dass jeder Frostmensch ohne seine Mitmenschen nicht überleben kann und dazu auch noch geistig verkümmert, hat auch das Strafsystem geprägt. Zwar gibt es in jeder Garnison und auf jedem Großkampfschiff Zellen, allerdings dienen sie nur der kurzfristigen Verwahrung. Niemand würde auf die Idee kommen, jemanden jahrelang in engstem Raum ohne sozialen Kontakt einzusperren. Das wäre Folter. Zudem gibt es nicht so viele Verbrecher, die eine über Jahre andauernde Strafe verhängt bekommen. Meist sind die Strafen schnell ausführbar (selbst die härteste Strafe, die Verbannung). Oft beinhaltet die Strafe öffentliche Prügel und Wiedergutmachung in Form von Gütern oder Arbeit. Verstümmelung oder Brandmarkung wird nicht praktiziert. Wer seine Strafe abgeleistet hat, gehört wieder voll und ganz zur Gemeinschaft (auch während der Strafe, aber die Rechte sind eingeschränkt).

Wer auf die Atemfänger kommt

Ist jemand jedoch unbelehrbar oder hat sich körperlich an einem anderen Frostmenschen vergangen (Körperverletzung oder auch sexuell), ohne ihn zu töten, dann ist die Bestrafung das Schiff „Atemfänger“. Hierher kommen nur die Schwerverbrecher der Gesellschaft, die Unbelehrbaren, diejenigen, die bei einem weiteren Vergehen in die Verbannung müssten. Es ist ihre letzte Chance, sich wieder in die Gesellschaft einzubringen. Sie dürfen das Schiff bis zum Ende ihrer Strafe nicht verlassen, was wie eine Teilverbannung ist. Die Gemeinschaft, in der sie aufgewachsen sind, ihre Familien, sind auf dem Festland, nah und doch unerreichbar. Aber sie haben eine eigene Gemeinschaft, rau und gefährlich. Die meisten, die die Atemfänger nach Jahren verlassen, freuen sich auf ein normales Leben.

Unterkünfte und Besatzung

Auf der Atemfänger sind alle Straftäter in vier Gruppenunterkünften untergebracht, die je zehn Betten umfassen. Bisher waren die Unterkünfte nie vollständig belegt. Es gibt auch einzelne Zellen, um jemanden kurzzeitig zu isolieren, meist zum eigenen Schutz, wenn die Stimmung überkocht und die Gewalt zu explodieren droht. Dreißig Runenkrieger leisten hier ihren Dienst in abwechselnden Schichten, davon sind zwanzig Seekrieger. Die Quartiere der Soldaten sind im Bug und Heck, die Gruppenunterkünfte der Gefangenen im Bauch des Schiffes.

Fortbewegung und Routen

Das Schiff besitzt zwei Rahmen für Segel, diese werden aber nicht genutzt, die Gefangenen rudern das Schiff an die Orte, die von den Runenkriegern vorgegeben werden. Es gibt feste Routen, die sich je nach Jahreszeit ändern. Bei Sturm oder anderen Schlechtwetterlagen zieht sich das Schiff in eine natürliche Eisbucht zurück und geht dort vor Anker, bis die Gefahr vorübergezogen ist.

Arbeiten an Bord

Neben der Fortbewegung des Schiffes haben die Gefangenen noch andere Dienste zu leisten. Neben Ausbesserungsarbeiten (die notwendig sind, damit das Schiff unter anderem über Wasser bleibt) und Putzdiensten gibt es noch die Nahrungssuche.

Ausbesserungsarbeiten

Die Ausbesserung beinhaltet auch sehr unangenehme Aufgaben wie das Entfernen von Muscheln und anderen strukturschädigenden Lebewesen, die sich ans Schiff heften. Dazu müssen mehrere Gefangene in das warme und unangenehme Wasser und dort vorsichtig mit entsprechendem Werkzeug die Parasiten entfernen. Aber auch Seile drehen, Ruder schnitzen und ähnliches gehört dazu.

Putzdienste

Die Putzdienste sind am einfachsten: Deck schrubben, Küchendienst, Netze säubern von Unrat, Wäsche waschen usw.

Nahrungssuche

Die Nahrungssuche dient in erster Linie der eigenen Versorgung und in zweiter Linie dem Materialnachschub. Überschüssige Nahrung oder Material wird in Vintergard an Händler verkauft. Die Beschaffung von Essen erfolgt ausschließlich über Tauchgänge und das Meer ist mit seinen vielen gefräßigen Kreaturen nicht ungefährlich. Neben harmlosen Sammeltauchgängen nach Algen, Muscheln und Krabbentieren gibt es auch die Jagd nach größeren Fischen, um an Knochen und Fischleder zu kommen. Natürlich werden diese Tiere auch gegessen, nichts wird verschwendet. Wo gejagt wird, fließt Blut, und wo Blut im Wasser ist, sind schnell auch die gefährlichsten Raubtiere der Meere anwesend. In den letzten hundert Jahren ist jedoch nur ein Häftling von einem Skajmaris getötet worden und acht schwerer verletzt.
  Der ganze Tag ist für die Häftlinge körperlich sehr anstrengend, sodass sie abends erschöpft einschlafen. Aufstände, Rebellion oder Boykotte hat es bisher nicht gegeben.

Der Fall Grynn der Lächler

Die längste Strafe auf dem Schiff sitzt derzeit ein Mann namens Grynn der Lächler ab. Er muss sechzig Jahre auf dem Schiff dienen, weil er sich mehrfach an seiner Tochter vergangen hat. Eigentlich wäre er verbannt worden und die meisten der Frostmenschengemeinschaft hatten das befürwortet, aber das Opfer, seine Tochter, hatte um Gnade gebeten und so landete er auf dem Schiff mit der bisher längsten Strafzeit, seit es die Atemfänger gibt. Niemand auf dem Schiff mag ihn, und ihn selbst scheint das nicht zu kümmern.

Gemeinschaft und Feiern

Auch hier gibt es Gemeinschaft und auch Feiern. Natürlich wird nicht exzessiv gefeiert, aber in kleinem Rahmen durchaus. Auch Namenstage bleiben für den Träger ein besonderer Tag, es ist der einzige, an dem er keinen Dienst schieben muss. Bei anderen Feiertagen wird häufig abgewechselt: Ein Teil arbeitet und hält das Schiff am Fahren, der andere darf an den Feierlichkeiten teilnehmen; bei der nächsten Feierlichkeit wird gewechselt.

Konflikte und Isolation

Bei so vielen gewalttätigen oder narzisstischen Charakteren an Bord kommt es immer wieder zu Streit. Zwar können sich die Gefangenen nur in ihren Gemeinschaftszellen frei und ohne Fesseln bewegen, aber auch mit eingeschränkter Schrittweite und angekettet kann man einem Gegenüber durchaus die Fäuste ins Gesicht schlagen. Dies versuchen die Runenkrieger durch Zuteilung von schwerer körperlicher Arbeit zu vermeiden, aber das klappt nicht immer. Unabhängig davon, wer angefangen hat, werden alle Sträflinge, die beteiligt waren, in die Isolationszellen gebracht. Insgesamt besitzt das Schiff zwölf Zellen.

Sicherheitsmaßnahmen

Alle Häftlinge tragen, außer wenn sie tauchen, Fußfesseln, die nur kleine Schritte erlauben, gerade weit genug, um bei starkem Seegang festen Stand zu haben. Wenn gerudert wird, sind alle an die Ruderbänke angebunden. Wer an Deck arbeitet, kommt an die „lange Leine“. Dies sind Lederseile, die an den Rahmenknochen der demontierten Segel befestigt sind und bei Bedarf mit einem Häftling verbunden werden. Auch bei Tauchgängen sind die Häftlinge angeleint, damit man sie bei Gefahr schnell aus dem Wasser ziehen kann.
  Die Runenkrieger an Bord überwachen im Schichtdienst die Sträflinge. Der Ton ist militärisch knapp und unmissverständlich. Die Häftlinge verlieren für die Zeit auf dem Schiff ihre Zweitnamen, diese werden durch „Häftling [Nummer]“ ersetzt. Grynn der Lächler ist Grynn, Häftling Nr. 34. Oftmals werden sie nur mit der Nummer angesprochen: „Vierunddreißig, antreten zum Deckschrubben.“

Entlassung und Rückkehr

Wenn ein ehemaliger Verbrecher seine Zeit — meist nicht mehr als fünf bis zehn Jahre — abgesessen hat, wird er aus dem „Häftlingsdienst“ entlassen. Bei nächster Gelegenheit, wenn das Schiff vor Vintergard anlegt, kommt ein Boot aus Vintergard und holt den Sträfling ab. Sobald er das Land betreten hat, ist er wieder ein freier Frostmensch, der hoffentlich einen friedvolleren Weg einschlägt für den Rest seines Lebens.
Algenseil / Kelp rope
Algenseil / Kelp rope by Microsoft Copilot
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Cover image: by Microsoft Copilot.

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