Torvik blieb genau dort, wo er stand – an der Säule neben der Tür, Arme locker verschränkt, den Rücken an das warme Holz gelehnt. Er rührte sich nicht, redete nicht unnötig, half nicht (er wusste, dass sie das nicht wollte, nicht jetzt, nicht in ihrem Reich). Er war einfach da. Ein großer, ruhiger Schatten, der den ganzen Trubel um sie herum nicht berührte, aber doch immer präsent war.
Er sah zu, wie sie sich bewegte: leichtfüßig, flink, mit diesem unverwüstlichen Lächeln, das sie jedem Gast schenkte, auch wenn ihre Wangen schon glühten und ihre Hände vom vielen Abwaschen rot waren. Er hörte ihr Summen zwischendurch – ihr Lied, ihr gemeinsames Lied –, und jedes Mal, wenn es durch den Lärm drang, wurde sein Herz ein bisschen weicher.
Zwei Stunden, hatte sie gesagt. Er wartete zwei Stunden.
Die Gäste wurden weniger. Erst verließen die lauten Händler, die noch eine Runde getrunken hatten. Dann die Handwerker, die nach einem langen Tag nur noch heim wollten. Die Tische leerten sich, das Feuer im Kamin brannte niedriger, Jela kam irgendwann aus der Küche, wischte sich die Hände an der Schürze ab, nickte Torvik kurz zu und verschwand nach hinten, um aufzuräumen.
Tara wirbelte immer noch hin und her, aber jetzt langsamer. Die letzten Krüge wurden abgeräumt, die Theke abgewischt, die letzten Münzen in die Kasse gelegt. Das Lachen wurde leiser, das Klirren seltener.
Als nur noch zwei Gäste übrig waren, die sich träge von ihren Bänken erhoben und zur Tür schlurften, trat Torvik endlich einen Schritt vor. Er wartete, bis sie die letzten Gläser ins Spülbecken stellte, dann ging er leise hinter die Theke, stellte sich neben sie und nahm ihr wortlos das nasse Tuch aus der Hand.
„Ich mach das fertig“, sagte er leise, ohne Widerspruch zuzulassen. Seine großen Hände waren sanft, als er die Gläser spülte, abtrocknete und auf das Regal stellte – genau so, wie sie es immer tat.
Erst als alles sauber war, die Lichter gedimmt, die Tür verriegelt und der letzte Gast gegangen war, drehte er sich zu ihr um.
Er sagte nichts. Schaute sie nur an – die müden, aber glücklichen Augen, die geröteten Wangen, die Strähne, die immer wieder fiel. Dann zog er sie ganz langsam in seine Arme, drückte sie fest an sich, bis sie seinen Herzschlag spürte, stark und ruhig.
„Feierabend, mein Herz“, murmelte er in ihr Haar. „Jetzt gehen wir heim.“
Er half ihr, die Schürze abzubinden, faltete sie sorgfältig zusammen und steckte sie in seine Jackentasche. Dann nahm er ihre Hand, verschränkte ihre Finger mit seinen und führte sie zur Tür.
Draußen stand der kleine Handkarren, beladen mit seiner Truhe, der Werkzeugkiste, einer Decke, ein paar Kleidern und dem alten Kissen, das nach ihm roch. Nicht viel – aber genug.
Torvik legte den Arm um ihre Taille, zog sie eng an seine Seite und ging mit ihr los, die dunkle Gasse hinunter. Die Sterne standen hell über den Dächern, der Wind war kühl, aber seine Nähe warm.
„Zu Hause“, sagte er leise, fast feierlich. „Zu uns.“
Als sie die kleine Stube erreichten, öffnete er die Tür, ließ sie zuerst eintreten. Drinnen war es still, nur das leise Knistern des noch warmen Ofens vom Morgen. Er stellte den Karren ab, schloss die Tür hinter sich und drehte sich zu ihr um.
„Die Kerze“, sagte er und ging zum kleinen Tisch, wo sie lag – die, die er ausgesucht hatte. Er nahm sie, stellte sie in den alten Kerzenhalter, zündete sie an. Die kleine Flamme flackerte auf, warf weiches Licht über ihre Gesichter.
Torvik trat zu ihr, nahm ihre Hände in seine und sah ihr tief in die Augen.
„Von heute an“, flüsterte er, „schlaf ich hier. Jeden Abend. Jeden Morgen. Bei dir. Mit dir. Für immer, wenn du mich lässt.“
Er küsste sie langsam, tief, als wollte er den ganzen Tag, die ganze Arbeit, den ganzen Lärm des Zwillings in diesem einen Kuss vergessen machen.
Dann lächelte er, dieses große, weiche Lächeln.
„Und jetzt… kochst du uns was Kleines, oder sollen wir einfach nur sitzen und die Kerze anschauen, bis sie runtergebrannt ist?“
Er zog sie mit sich zum Tisch, setzte sich und zog sie auf seinen Schoß – einfach so, als wäre das jetzt das Normalste der Welt.