Wed, Jul 9th 2025 10:52
Edited on Mon, Feb 23rd 2026 11:52
Der Geruch von nassem Holz und aufgewirbeltem Kalk hing immer noch schwer in der Luft, vermischt mit dem salzigen Hauch des Meeres, der selbst hier, im Schutz des alten Lotsengebäudes, nicht ganz zu verdrängen war. Leifs Knochen schmerzten, jeder einzelne Muskel zog und zerrte von den Anstrengungen der vergangenen Tage. Das Beben… er spürte es noch immer in den Gliedern, dieses tiefe Grollen, das sie alle so unvermittelt getroffen hatte.
Die Sonne war gerade erst über den Horizont geklettert, warf lange, schräge Schatten durch die zerbrochenen Fenster des Gebäudes. Sein verbliebenes Auge musterte die Verwüstung: umgestürzte Ziegelstapel, verstreute Werkzeuge und der Schutt der eingestürzten Zwischenwand, die nun wie ein zahnloser Mund klaffte. Ein tiefes Seufzen entwich ihm. So viel Arbeit.
Er bog um eine Ecke in einen der aufgeräumteren Bereiche, wo sich die verletzten Arbeiter gesammelt hatten. Ihre Gesichter waren blass und schmerzverzerrt, einige hielten sich ihre geschwollenen Gliedmaßen. Leifs Herz zog sich zusammen beim Anblick der beiden Männer, die vom Gerüst gestürzt waren. Einer versuchte mühsam, seine gebrochenen Beine zu stützen, während der andere mit einer klaffenden Wunde am Kopf rang. Sie alle waren hart arbeitende Männer, die sich den Luxus eines Heilers nicht leisten konnten. Das konnte Leif nicht zulassen.
„Jungs“, sagte er, seine Stimme rau, aber mit fester Entschlossenheit. „Ihr seid hier, weil ihr an diese Akademie glaubt. Und ich werde euch nicht im Stich lassen.“ Im nächsten Moment trat ein schmächtiger Mann mit einer Ledertasche hinter Leif hervor. „Ich habe bereits einen Heiler für euch organisiert. Er ist auf meine Kosten hier, um sich um jeden von euch zu kümmern, der versorgt werden muss.“ Ein Murmeln der Erleichterung ging durch die Runde, und Leif sah, wie sich in einigen Augen Tränen bildeten. Es war nicht viel, aber es war ein Anfang.
Leif kniete sich zu dem Mann mit den gebrochenen Beinen, sprach ihm Mut zu, während er ihm vorsichtig auf die Schulter klopfte. Dann stand er auf und wandte sich an die anderen, die mit kleineren Wunden davongekommen waren. „Wer kann helfen? Lasst uns dieses Chaos beseitigen! Wir haben eine Akademie zu bauen, und da hält uns kein Beben auf!“ Er griff nach einem der umgestürzten Eimer, packte mit an, begann, die Trümmer beiseitezuräumen. Der Schmerz in seinen eigenen Gliedern war noch da, aber er verblasste hinter dem Wissen, dass sie das gemeinsam schaffen würden. Die See hatte ihn gelehrt, niemals aufzugeben, und dieses Beben würde sie nicht brechen. Er ist ein Seemann und diese trotzten jedem Sturm.