Lua nimmt die Feder entgegen. Sie hält sie fest in der Hand, und mit höchst konzentriertem Gesichtsausdruck, mit großer Sorgfalt schreibt sie, in etwas krakeligen Buchstaben, ihren Namen. Das heißt, sie schreibt nicht den ganzen Namen. Denn Gregorian plappert in der Zwischenzeit weiter, und gerade als sie das Lua Ae vollendet hat, sieht sie erstaunt auf.
‘Aufgrund der geringen Höhe des Betrages’! Nein, Lua hat sich noch nicht daran gewohnt, in den Relationen der reichen Leute zu denken. Geringe Höhe des Betrages! Ein ganzer Lamen! Nun ja, Lua hat jetzt nicht die Zeit, weiter darüber nachzudenken, sie muss ja noch ihren Namen zu Ende schreiben. Also schreibt sie das aya noch dazu, konzentriert. Sie schaut ihren Namen an. Kurz geht eine Röte über ihr Gesicht, dann flickt sie noch schnell ein t zwischen das Ae und das aya. Sie schiebt das Papier zu Gregorian, reicht ihm die Feder.
“Dankeschön! Die Zwillinge mit Euch, verehrter Herr Vellez!”
Und schon hat der Mann den Raum verlassen, und sie ist mit Julia alleine. Sie schenkt ihr ein strahlendes Lächeln, eines jener Lächeln, das in seiner Reinheit, in seiner Aufrichtigkeit so gewinnend wirkt und das wohl schon so manchem Mann den Kopf verdreht hat.
“Wenn du mir damals, als du mich in dem Puff unterbringen wolltest, gesagt hättest, ich würde in nicht einmal einem ganzen Monat 350 Lamen besitzen,” entgegnet sie, “ich hätte dich für komplett verrückt gehalten. Und, um ehrlich zu sein, ich habe dafür eigentlich gar nichts gemacht. Ich habe mich von Auris verwöhnen lassen, habe seinen Wein getrunken, seine Fleischküchlein gegessen. Er hat mir Abendessen in den besten Häusern bezahlt, wunderbare Kleider, hat mich sogar zum Empfang beim Baron mitgenommen. Und das Malen, das war am Anfang anstrengend, aber irgendwann musste ich gar nicht mehr so lange rumstehen, er hat einfach gemalt. Er hat mir Ratschläge gegeben, er hat mir gezeigt, dass ich nicht nur ein nutzloses Etwas bin, das sich den ganzen Tag lang einfach nur durch den Dreck wühlt, um etwas zu Essen zu bekommen. Julia, ich bin nicht einfach nur auf der Butterseite gelandet. Ich bin in den Buttertopf gefallen, ganz und gar, bis obenhin.”
Sie sieht auf die Tischkante vor sich, und fügt etwas verlegen hinzu: “Eigentlich sollte ich mich schämen wegen des ganzen Glücks, das ich gehabt habe.”
Sie sieht Julia dann wieder an.
“Und du?” fragt sie dann. “Ich kann mich noch erinnern, dass du an dem Tag, als du aus dem Puff geflogen bist, von jemandem des Skriptoriums angesprochen wurdest. Bist du die ganze Zeit hier gewesen? Wie geht es dir? Du siehst… so anders aus…”