“Nein,” antwortet Lua mit einem strahlenden Lächeln, “es ist überhaupt nicht nötig. Aber man muss sich nicht immer auf die Dinge beschränken, die nötig sind.”
Lua greift nun wieder über den Tisch, legt ihre Hand auf Andeths Unterarm. Und dieses Mal gibt es keinen Blitz.
“Schau, Andeth,” fährt sie fort. “Ich habe mehr Geld, als ich für mich ausgeben kann. Lass mich dir - und damit auch mir - eine Freude machen. Lass mich dir ein neues Hemd und eine neue Hose, ein paar Schuhe schenken. Ich meine, sieh dich um, alles, was du hier siehst, das habe ich auch geschenkt bekommen. Ich habe es mir nicht erarbeitet. Und ich würde mich schlecht fühlen, würde ich alles für mich behalten.”
Sie schaut ihm nun durchdringend in die Augen.
“Du bist zwei Wochen lang mein Sklave,” fügt sie hinzu. “Wenn du willst, kannst du bleiben so lange du willst, als Freund, als Mitbewohner. Aber ich würde mir wünschen, dass dir, wenn du deine Strafe bei mir abgesessen hat, viele Wege offen stehen. Und glaube mir, die reichen Leute dieser Stadt, die schauen sehr stark auf Kleider. Als ich gekleidet war wie du, da hat mir die Wachkompanie einen tritt in den Arsch gegeben, wenn ich vor der Residenz gesessen bin. Jetzt, mit diesem Kleid, kommt sie her, und fragt, ob sie mir helfen kann. Wenn die zwei Wochen um sind, möchte ich, dass die dich auch wertschätzt. Dass die Reichen wissen, dass du gut arbeitest, und dass man dir eine gut bezahlte Anstellung anvertrauen kann. Ich werde dir nicht Reichtum verschaffen, so wie es mir getan wurde. Aber ich möchte dir helfen, dein Leben zu verbessern, weil du ein gutes Leben verdient hast, mit deinem Fleiß, deiner Sorgfalt, deinem ganzen Wesen. Aber ich weiß, wie schwer es ist, wenn man niemanden hat, der hilft.”