Saya schaut Mari an. Ihr Blick wirkt aber warm, obwohl er nachdenklich und unglaublich ernst ist. Sie legt ihre Hände auf die von Mari.
“Wenn die Kralle draufkommt, dass du ihn hintergehst, dann würdest du zu allen Göttern der Stadt beten, er würde dich nur vierteilen,” antwortet sie zunächst. “Und nein, ich werde dich nicht aus meinem Leben werfen. Ich brauche dich, das weißt du besser, als ich es weiß. Und ich vertraue dir nach wie vor.”
Sie schaut Mari in die Augen. Sie nimmt nun Maris Hände in die ihren, zieht sie sanft zu sich herauf, legt ihre Hände an Maris Hüften und zieht sie auf ihren Schoß. Sie legt dann ihre Hände auf Maris Schultern, sieht ihr tief in die Augen.
“Aber, Mari, hör mir nun gut zu,” sagt sie. “Ich weiß, du bist störrisch wie ein Maulesel, aber tu mir den Gefallen, und hör mir zu, nur dieses eine Mal. Es ist wichtig. Wenn es nötig ist, wirst du mich nämlich verraten. Du wirst mich verraten, um dich und Gulama zu retten. Und dann wirst du mit Gulama ein neues Leben beginnen, irgendwo, irgendwie. Du kannst mich nicht retten. Du kannst keine Dargha retten, und noch dazu den höchsten Vertreter des Nayara-Clans in dieser Stadt. Ich lebe so lange, wie die Kralle es will, und daran wirst du nichts ändern können. Was auch immer du ihm verschweigst, irgendwann wird er es herausfinden. Und wenn er mir deshalb die Farben abschneiden will, dann wird er es tun. Wenn er jedoch den Eindruck hat, dass du ihm gegenüber loyaler ist, dann wird er dich und Gulama verschonen.”
Sie schaut Mari wieder tief in die Augen.
“Ich bitte dich inständig, Mari, wirf nicht dein Leben und das von Gulama weg, nur um ein Leben zu retten, das du so und so nicht retten kannst. Es tut mir so unendlich leid, dass ich dich nicht dazu überredet habe, in meine Farben zu wechseln. Die Kralle hätte dir dann nicht so einfach seine Zeichen geben können. Denn wenn er nur ein bisschen Ehre in seiner Brust hat, dann würde er deine Clan-Zugehörigkeit respektieren. Nicht du hast uns also in diese Situation gebracht, ich war es, weil ich zu nachlässig war. Dich trifft keine Schuld, also lade sie nicht auf dich, obwohl sie nicht die deine ist.”
Sayas Hände gleiten nun von ihren Schultern auf ihren Rücken, ziehen Mari zu sich.
“Mari, lass mich los, wenn du mich loslassen musst, bitte, gehorche mir nur dieses eine Mal,” wiederholt sie.