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Wed, Jul 9th 2025 04:54   Edited on Mon, Feb 23rd 2026 12:01

[23. Tag, früher Morgen] Ärgernisse

Nackt bis auf einen schleierfeinen, durchsichtigen Umhang kommt T’Sai aus Gregorians Schlafzimmer, daß sie nun wieder gemeinsam benutzen. Ihr Haar ist offen und fällt ihr bis weit über die Schultern, als sie anmutig zu Gregorian geht, ihn küßt und sich dann setzt. Sie schenkt sich etwas von dem süßen, schweren Wein ein, den sie bevorzugt, aber nur in kleinen Mengen trinkt. Sie nimmt einen Schluck. „Eigentlich sollte ich eine Kerze für diese Scherbengräfin anzünden.“ Lächelnd legt sie Gregorian ihre Hand auf seine Rechte. „Ich sollte es dir zwar nicht so offen sagen, aber ich bin sehr froh, daß wir uns wieder so nahe sind.“ Sie lächelt ihr betörendes Lächeln. „Warum so finster, mein Lieber? Waren wir heute Nacht nicht ausschweifend genug, oder beginnst du, dich mit mir zu langweilen? “ :erkundigt sie sich in besorgtem Tonfall, durch den spöttischer Schalk durchklingt.  
Wed, Jul 9th 2025 04:57   Edited on Wed, Jul 9th 2025 04:58

Als sie langsam auf ihn zukommt, kommt Gregorian nicht umhin, sich einzugestehen, daß T’Sai selbst nach den vielen Jahrzehnten immer noch nichts von ihrer betörenden und sinnverwirrenden Ausstrahlung eingebüßt hat. Trotz seiner schlechten Laune kann er sich ein Schmunzeln nicht verbeißen, als sie Alessandrina erwähnt. „Und ich sollte dir auf keinen Fall sagen, daß auch ich mich freue, denn du wirst mir aus jedem Wort eine Seidenschlinge knüpfen.“, erwidert er und grinst dann. „Du bist ein tückisches, skrupeloses, herrschsüchtiges Biest, meine Liebe, aber langweilig? Nein, keine Sekunde mit dir ist langweilig.“ Er trinkt etwas Tee. „Diese Geschichte mit Gaspard geht mir nicht aus dem Kopf, von Julia gar nicht zu reden. Du weißt ja was sich bei dem letzten Treffen mit der Dargha abgespielt hat, aber ich bin zutiefst davon überzeugt, daß da weit mehr dahintersteckt, sich bei den Kellerratten etwas zusammenbraut und wir keine Ahnung davon haben. Und Julia? Es ist zum Verrücktwerden! So eine Gabe und wir können nichts damit anfangen! So fühlt es sich an, wenn einem die Götter ins Genick pissen. Was machen wir jetzt mit ihr? “  
Wed, Jul 9th 2025 05:52

„Dann bin ich ja genau die Richtige für dich und Seidenschlingen sind eine meiner vielen Spezialitäten. Du darfst dir auch aussuchen, was ich dir damit abschnüren soll, die Luft oder etwas anderes.“ :haucht T’Sai anzüglich, nippt an ihrem Glas und fährt dann ernster fort. „Es ist tatsächlich ärgerlich, daß wir keine zuverlässige Quelle bei den Ratten haben, doch ich denke, daß wir kurzfristig wenig daran ändern können, von meiner speziellen Freundin einmal abgesehen. Vielleicht gelingt es uns doch noch, ihre Aufmerksamkeit zu wecken, und wenn ich sie einmal auf Tuchfühlung habe, dann bringe ich sie schon zum Reden. Aber zurück zu Julia! Sie ist weit wichtiger als das Hickhack bei den Ratten. Wie wir schon besprochen haben, sollten wir sie auf keinen Fall drängen, ihre Gabe einzusetzen. Du solltest sie von jeder Aktivität, die mit der Gabe zu tun hat, entbinden. Vergessen wir den ganzen zeremoniellen Unsinn, den wir für sie geplant haben! Es ist nicht mehr notwendig. Sie brennt natürlich darauf, zu erfahren, worauf sie sich wirklich eingelassen hat, was ihr auch nicht zu verübeln ist. Ich glaube, du solltest so bald wie möglich mit ihr reden und ihr reinen Wein einschenken, am besten heute noch. Einen Eid solltest du ihr aber abnehmen. Wir haben zu viel darüber gesprochen, um es einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Und sie braucht eine Aufgabe und Beschäftigung! Vielleicht sollten wir uns den Vorschlag des Waffenmeisters, zumindest was die Ausbildung betrifft, noch einmal gründlich durch den Kopf gehen lassen.“  
Fri, Jul 11th 2025 01:17

„An meiner Einstellung zu dieser seltsamen Idee hat sich nichts geändert. Julia ist viel zu wertvoll, um sie wegen irgendeines Mordauftrags zu verlieren. Selbst wenn sie ihre verstärkte Gabe tatsächlich nicht mehr einsetzen kann, bleibt immer noch die Möglichkeit, sie unserer nächsten Generation zu vererben. Von mir aus soll sie trainieren, wenn der Waffenmeister wieder vollständig wiederhergestellt ist, aber ich werde sicher nicht das Risiko eingehen, sie zu verlieren! Aber beschäftigen werde ich sie. Ich habe doch heute gegen Mittag das Treffen wegen der Anteilsscheine mit dieser...mir ist der Name entfallen....dem letzten Betthäschen Auris‘. Das ist eine gute Gelegenheit, Julia etwas zu tun zu geben und ihr mit der Rolle als Zeugin etwas Bedeutung zu verleihen. Außerdem hast du recht! Wir werden es so machen, wie du es vorgeschlagen hast. Nach der Geschichte mit dieser Atata, oder wie sie heißt, werden wir Julia einweihen. Ich möchte dich und Levena gern dabeihaben, denn ganz unberührt wird sie die Wahrheit nicht lassen. Sie mag euch beide und nach Julias Krise ist vielleicht die Anwesenheit der Heilerin notwendig.“  
Sat, Jul 12th 2025 05:44   Edited on Sat, Aug 16th 2025 02:48

„Ich kümmere mich darum und richte es Julia und Levena aus.“: sagt T’Sai und als sich nach einer kleinen Weile belangloser Plauderei Gregorian erhebt, um sich in die Geschäftsräume des Skriptoriums zu begeben, hält ihn T’Sai nach ein paar Schritten mit einem scharfen Zuruf auf. „Hast du nicht etwas vergessen, mein Lieber? “ Als sich Gregorian zu ihr umdreht, hebt sie mit einer anmutigen Bewegung den linken Fuß. Als sich Gregorian hinunterbeugt, um T’Sais Fuß zu küssen, streicht sie ihm übers Haar. „So gehört sich das. Wenn du es nochmals vergißt, dann darfst du die Gerte holen. Hast du mich verstanden? “ Als Gregorian dann gegangen ist, gönnt sich T’Sai ein breites Grinsen und noch ein Gläschen ihres süßen Weines. Sie hat nicht gelogen, als sie sagte, daß sie froh wäre, Gregorian wieder so nahe zu sein, aber daß sie die Oberhand hat und ihn unentwirrbar in seine Begierden verstrickt und so völlig in der Hand hat, macht ihre neu entfachte Beziehung nicht nur zu einem exquisiten Vergnügen für sie, sondern mit Gregorian an der Leine war de facto sie es, die das Geschick von Morgenrot in Pelorn lenkt und das befriedigt sie zutiefst. Genüßlich leert sie langsam ihr Glas, kleidet sich an und sucht zuerst Levena und dann Julia auf.  
Thu, Aug 7th 2025 12:01   Edited on Thu, Aug 7th 2025 12:25

Nachdem sich Julia von Lua verabschiedet hat, macht sie sich auf den Weg zu Gregorian. Immer noch wundert sie sich über das Angebot, ihr das Gemälde zu überlassen. Diese Lua, zu der sie eigentlich keine Beziehung hat, ist so einfach bereit sich von einem Stück zu trennen, daß sicher einen guten Preis erzielen kann. Die Versuchung war groß gewesen, doch Julia findet es einfach unpassend, sich dieses Bild in ihr Zimmer im Skriptorium zu hängen. Sie schämt sich nicht dafür, eher im Gegenteil, denn Auri hat sie beeindruckender dargestellt, als sie je war. Aber das Bild war einfach zu groß und es mußte nicht jeder hier ihren nackten Hintern bewundern können, sobald sie die Türe aufmachte. Sie klopft an die Türe des Büros von Gregorian und tritt nach Aufforderung ein.      
Thu, Aug 7th 2025 12:28   Edited on Thu, Aug 7th 2025 12:28

Nicht nur Gregorian befindet sich im Raum, auch T’Sai und die Heilerin. Gregorian winkt ab, als ihm Julia über den Abschluß der Angelegenheit mit den Anteilscheinen berichten will und erhebt sich. „Julia, wir haben beschlossen, auf das Zeremoniell deiner Aufnahme zu verzichten. Es erscheint mir wesentlicher, dich, sobald du deinen Eid abgelegt hast, in alle Geheimnisse einzuweihen und dir die Antworten zu geben, die du von uns erwartest und die du verdienst. Nichtsdestoweniger ist es jedoch ein wichtiger Schritt für uns und für dich. T’Sai und Levena sind hier, um deinen Eid zu bezeugen und mit mir deine Aufnahme zu vollziehen. Bist du bereit, Julia Feltre, dein Geschick unauflöslich mit Morgenrot zu verbinden und deinen Treueeid abzulegen?“ Gregorians klangvolle Stimme gewinnt mit jedem Wort an Eindringlichkeit.  
Sat, Aug 9th 2025 11:28

Überrascht schaut Julia von einem zur anderen. Ihre endgültige Aufnahme war durch die Krise an dem Tag, an dem sie stattfinden hätte sollen, verschoben worden. Sie hat erwartet, daß ein neuer Termin festgelegt werden würde und daher überhaupt nicht damit gerechnet, daß sie Gregorian jetzt und hier ihren Eid ablegen lassen wird. Doch Gregorian rennt mit seinen Worten offene Türen bei ihr ein. Zeremoniell ist Julia gleichgültig, sie will endlich Antworten! So strafft sie ihre Haltung und sagt fest aus voller Überzeugung: „Ich bin bereit!“      
Sat, Aug 9th 2025 11:44   Edited on Sat, Aug 16th 2025 02:16

„So sei es!“: sagt Gregorian. „Schwörst du bei deinem Blut und deiner Ehre und dem Blut und der Ehre deiner Vorfahren, daß du Morgenrot gehorsam dienen wirst und bereit bist, für diesen Eid auch dein Leben einzusetzen?“: deklamiert Gregorian feierlich. Als Julia laut und deutlich ihren Schwur abgelegt hat, tritt Gregorian zu ihr und umarmt sie. „Sei mir willkommen, Schwester“ Auch T’Sai und Levena heißen sie förmlich willkommen und als sie Levena in die Arme nimmt, kann sie die Zuneigung der älteren Frau wie einen Windhauch voll Blütenduft spüren. „Setz dich Julia! Nun ist es Zeit, die volle Wahrheit zu erfahren.“   So beginnt Gregorian mit dem Erscheinen der Strahlenden über Meras, schildert die wahre Geschichte Morgenrots und erläutert Julia die Aufgaben und Ziele in aller Deutlichkeit. „An allererster Stelle steht die Bewahrung unseres Blutes und der Schutz aller Kurus. Zur Bewahrung unseres Blutes suchen wir seit Jahrzehnten nach Brüdern und Schwestern mit ausgeprägter Gabe, die ihre Gaben an ihre gemeinsamen Nachkommen vererben und damit den Verfall unserer Gabe durch die Kreuzung mit Menschen aufzuhalten. Mit großem Erfolg, wie ich ruhigen Gewissens behaupten kann. Morgenrot stand in seinen frühen Tagen für die Hoffnung auf Rettung, nun steht Morgenrot für den herauf dämmernden Tag, an dem wir Rache üben für den kolossalen Verrat an unseren Vorfahren und unserer Bestimmung folgen werden, aus Meras eine bessere Welt unter unserer Herrschaft zu machen.“      
Wed, Aug 13th 2025 08:56

Einiges hat Julia in den Visionen ihrer Krise gesehen, einiges erahnt, aber die Tragweite der Eröffnungen Gregorians überrascht und bewegt sie zutiefst. Besonders die Tatsache, daß ihre Vorfahren Stahlende in einem menschlichen Körper gewesen waren. Doch trotz der überwältigenden Konsequenz dieser Tatsache empfindet Julia so etwas wie Stolz auf ihre Abstammung. Wenn sie auch keinen Wunsch nach Rache hegt, das Endziel Morgenrots schreckt sie nicht. War die Überwindung der endlosen Machtkämpfe der Häuser und Familien, der Not und der Gesetzlosigkeit nicht ein erstrebenswertes Ziel, für das es sich lohnte zu kämpfen? Zudem war sie eine der Auserwählten, die in dieser neuen Zeit, die Geschicke Pelorns und ganz Meras lenken sollten. Es dauert ein wenig, bis sie die Frage stellen kann, die sie schon seit ihrem Eintritt ins Skriptorium bewegt. „Und was ist meine Aufgabe, meine Rolle in unserem Plan?“: erkundigt sie sich gespannt.  
Sat, Aug 16th 2025 02:44

„Unsere Rollen und Aufgaben werden vor allem durch unsere Gabe und unsere Fähigkeiten bestimmt. In dir vereinigt sich unsere Blutlinie mit derer der Hermetiker und das macht dich einzigartig, Julia! Deine Krise und die Folgen daraus machen es uns aber für die nächste Zukunft unmöglich abzuschätzen ob es Wege gibt deine Doppelgabe, ohne Gefährdung für dich unter Kontrolle zu bekommen. Deine Sicherheit hat für uns jedoch höchste Priorität und steht selbstverständlich über allen Nützlichkeitserwägungen. Wir haben Nachricht an die Reine und den Kreis gesandt und erwarten ihre Botschaft. Du wirst mit großer Wahrscheinlichkeit das Privileg haben, der Führerin von Morgenrot gegenüberzutreten. Die Immakulata ist die einzige überlebende Kuru reinen Blutes aus einer höheren Kaste, die über einen Teil des Wissens unserer Vorfahren verfügt. Wenn es jemanden gibt, der das Geheimnis deiner Doppelbegabung ergründen kann, dann ist es die Immakulata.   Doch selbst wenn es keine Möglichkeit gibt, dein Potenzial voll auszuschöpfen, ist deine empathische Gabe von hohem Wert für uns und hebt dich über einen guten Teil unserer Schwestern und Brüder hinaus. Auch wenn es keine Möglichkeit gibt, deine Doppelgabe jemals wieder anzuwenden, besteht die Chance, daß du sie der nächsten Generation vererben kannst, solltest du dich dazu entschließen können, Morgenrot ein Kind zu schenken.“  
Sat, Aug 16th 2025 03:21

Wie Julia schon seit einiger Zeit vermutet hat, dreht sich also alles um ihre Doppelbegabung. Ob es Gregorin mit der Behauptung, daß ihre Sicherheit über allem stünde, die Wahrheit sagt, kann Julia nicht beurteilen, denn Gregorians Gefühle kann sie genauso wenig erspüren, wie diejenigen T’Sais, wenn sie es nicht zuließen. Doch die Gelegenheit, der Führerin Morgenrots gegenübertreten zu können, fasziniert Julia. So hätte sie die letzen Worte Gregorians fast überhört. Doch als er von der nächsten Generation und einem Kind für Morgenrot spricht, ist es ihr, als würde sie mit Eiswasser überschüttet. Trotzdem flüchtet sie nicht, stellt sich dem Schmerz. Um Haltung bemüht, sagt sie gepresst: „Ich kann keine Kinder mehr bekommen!“ Mühsam ringt sie mit ihrer Fassung, doch als in der Stille, die ihren Worten folgt, die grenzenlose Enttäuschung Gregorians, die er nicht verbergen kann, wie eine Welle über ihr zusammenschlägt, vermag sie ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. „Mir tut es auch leid!“: schluchzt sie und schlägt die Hände vors Gesicht.  
Sat, Aug 16th 2025 08:10

[Levena] „Genug jetzt!“: sagt Levena scharf beim Aufspringen und ist mit ein paar Schritten bei der bitterlich weinenden Julia. Sie nimmt sie voller Zuneigung in die Arme, läßt sie weinen, streicht ihr nur hin und wieder übers Haar. Als sich Julia ein wenig gefangen hat, sagt sie nur sanft: „Komm, Julia!“ Sie führt die immer noch weinende Julia aus dem Raum und geht mit ihr auf ihr Zimmer. Sie macht keine großen Worte, hält nur Julias Hände und läßt sie fühlen, daß sie nicht allein ist.      
Sat, Aug 23rd 2025 11:31

„Mußt du dich denn so gehen lassen?“: erkundig sich T’sai ungehalten bei Gregorian, nachdem Levena und Julia das Zimmer verlassen hatten. „Deine Enttäuschung, die dir auch ein Blinder angesehen hätte, hat Julia schwer getroffen und ich würde mich nicht wundern, wenn sie jetzt den Eindruck hat, daß sie für dich nichts weiter als eine Gebärmutter auf Beinen war und jetzt völlig wertlos ist, nachdem du erfahren hast, daß sie keine Kinder bekommen kann.“ Immer noch zornig leert sie ihren Tee und knallt die Tasse auf den Tisch. „Sage jetzt besser nichts!“: warnt sie Gregorian, als er zu einer Gegenrede ansetzt. „Ich werde mit Levena sprechen, mich dann um Julia kümmern." Sie steht auf und dreht sich, bevor sie den Raum verläßt, an der Türe noch einmal um. „Laß dir gefälligst etwas einfallen, mit dem du ihr zeigst, daß sie eine Aufgabe hat, die über das Beinebreitmachen und Kinderkriegen hinausgeht und das schnell.“ Dann schlägt sie die Türe zu.