Auch Reland wird auffallen, wie ramponiert Sigrun aussieht, mit ihrem zerschnittenen Uniformhemd, der unordentlichen Frisur und ihrem so ungewöhnlich aufgewühltem Ausdruck. Und dass die Sigrun, die er kennengelernt hat, wohl auch nie auf eine seiner Fragen hin die Augen verdreht hätte. Sein Nordisch wird auf jeden Fall ausreichen, um zu verstehen, dass sie keine Freundlichkeiten von sich gibt, bevor sie zu berichten beginnt.
Aber das tut sie. Sie verliert sich nicht in Einzelheiten, aber sie erzählt alles, was vorgefallen ist. Vom Erdbeben, von den Verschütteten, dem schwer verletzten Kameraden. Wie sie mit Eicken durch die Gänge geirrt ist, immer wieder Tote und Sterbende angetroffen hat. Wie sie auf den Honig gekommen sind, das Gift, Perdona. Wie sie am Ende knapp entkommen konnten - sie aber nicht sicher ist, wie es denn Eicken ginge.
“Kommandant, das ist ein tiefgehendes Komplott,” schießt sie schließlich. “Es ist nicht auszuführen, ohne eine Kontaktperson hinter dem Mauern des Barons zu haben. Da wir allerdings entdeckt wurden, ist sehr wohl anzunehmen, dass die Banditen wissen, dass ihr Vorhaben nun auf der Kippe ist. Wir müssen also damit rechnen, dass sie den Anschlag auch vorziehen könnten. Und wer weiß, wer dem Baron den Honig unterjubeln soll? Wenn es der Vorkoster ist?”
Sie sieht ihn durchdringend an.
“Herr Kommandant, ich bitte Euch inständig,” fügt sie hinzu. “Lasst uns jetzt, sofort, in die Residenz des Barons gehen und sämtlichen Honig entfernen. Lasst uns die Köche anweisen, bis auf weiteres auf jeglichen Einsatz von Honig zu verzichten. Lasst sämtliche Speisen zwei Mal vorkosten. Ich bitte Euch, meine Männer dürfen nicht vergebens gestorben sein.”