Held

Wahre Helden sind selten

Written by Nightone

Es gibt viele, die behaupten, Helden zu sein, und noch viel mehr, die es gerne wären.
  Aber nur die wenigsten erhalten diese Berufung, und noch weniger haben den nötigen Schneid, um ihr zu folgen.
  Schließlich bedeutet es so viel mehr, als nur dem Ruf des Abenteuers zu folgen und Monster und Scheusale zu bezwingen. Oder bereitwillig Befehle eines Kommandanten zu befolgen.
  Ein wahrer Held zu sein bedeutet, Verantwortung anzunehmen und zu tragen.
  Und denke nicht einen Augenblick lang, dass es nur Helden gäbe, die auf der Seite des Lichts stehen!
— Pazouk Steinbrecher, Eisenzwergischer Geschichtenerzähler
Der Held by Nightone w/ Dream.ai

Allgemeines

Der Begriff „Held” bezeichnet den höchsten Rang, den ein Abenteurer, Krieger oder Soldat außerhalb militärischer und sozialer Strukturen erreichen kann. Auch wenn es oft wie Ein Titel genutzt wird ist doch eine Profession oder besser eine Bestimmung.
  Ein Held gilt allgemein als enorme militärische und propagandistische Bereicherung für ein Land. Dabei vermag ein Held, mit hochrangigen Militärs auf Augenhöhe zu sprechen und sich in adeligen Kreisen fast uneingeschränkt zu bewegen, wenngleich manchmal Benimm-Crashkurse benötigt werden, um nicht von einem Fettnäpfchen ins nächste zu tappen.
  Ein wahrer Held tritt immer im Zusammenhang mit einer besonderen Bestimmung auf. Diese wird zumeist von einem Propheten, einem Orakel oder ähnlichen Institutionen benannt.
  Diese Bestimmungen sind alles andere als leicht, oft scheinen sie schier unmöglich, und es gibt keine Garantie, dass der Held, so er die Bestimmung annimmt, auch Erfolg haben wird.
  Tatsächlich sind viele Helden an ihren Bestimmungen gescheitert und in Vergessenheit geraten. Aber diejenigen, die ihre Bestimmung erfüllten, werden unsterblich im Gedächtnis der Völker. Sie sind die Quelle der Sagen und Geschichten, mit denen spätere Generationen aufwachsen, um von neuen Großtaten zu träumen.

 
Eine gängige Theorie ist, dass es sich mit Helden, also denen, die diesen Titel erhalten, nicht diese sogenannten Alltags-Helden oder gar Frauenhelden, so verhält wie mit den Göttern. Also nicht, dass sie göttlich werden, sondern es sich so verhält, wie Götter Kraft aus dem Glauben ihrer Anhänger erhalten.
  Dadurch, dass vernunftbegabte Wesen, wobei vernunftbegabt ein ziemlich strapazierter Begriff ist, wenn ihr mich fragt, nun, wenn diese an einen Helden glauben, dann strömt die Heldenenergie oder auch Heldenmacht in ihn und seine Bestimmung verfestigt sich zu seinem Schicksal.
  Lacht nicht, es gibt halt bisher keinen besseren Begriff, wir wissen zwar, dass es irgendwie mit Thaum zu tun hat, da wir es aber ebenso wenig „sehen” wie die Glaubenskraft, die den Göttern zufließt, fehlt es an einer besseren Namenseinordnung.
  Dem Gegen Heldenglaubenskraft waren die Priester und gegen Heldenthaum sprachen sich die Arkanisten aus... Ergo bleibt Heldenmacht oder -energie.
— Martin Tzweelblum, Professor für Volkskunde an der Universität zu Oppersburg

 

Werdegang

Anders als bei dem Beruf des Abenteurers kann man sich nicht einfach entscheiden, ein Held zu sein.
  Man kann es höchstens anstreben, indem man sich über die Maßen verausgabt, sich selbst verleugnet und das Wohl anderer an erste Stelle stellt. Und mancher versucht, in der öffentlichen Meinung entsprechend dazustehen. Aber erst, wenn man eine Bestimmung erhält, wird man ein wahrer Held.
  Oft wird eine solche Bestimmung von den Göttern verliehen. Manchmal ist es aber auch eine eher mundan wirkende Aufforderung einer größeren Gruppe von Personen, die all ihre Hoffnung in eine Person legen. Manchmal entsteht die Bestimmung sogar unbewusst aus dem Helden selbst heraus.
  Es ist der Glauben an den Helden der den Helden mit Macht erfüllt.
  Unabhängig davon, wie es dazu kommt, muss die Bestimmung einen bedeutenden Einfluss auf einen Teil Irdas haben, um den Status eines Helden zu erlangen. Manchmal kann dies eher regional sein, beispielsweise das Schicksal eines Dorfes oder einer Stadt, in anderen Fällen kann das Schicksal eines ganzen Kontinents davon abhängen.
  SSo oder so ist die Bestimmung des Helden für viele Kundige meist sofort zu erkennen: Wahrsager, Orakel, Astrologen, Priester haben meist ein untrügliches Gespür dafür, einen Helden und seine Bestimmung sofort zu identifizieren. Erstaunlicherweise haben auch Barden, Skalden und Geschichtenerzähler eine sehr gute Trefferrate dabei, allerdings vermuten Gelehrte, dass es ihre Geschichten sind, die andere dazu bewegen, an einen Helden zu glauben, wodurch der Held dann zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung wird.
  Sobald eine solche Quelle als glaubwürdig genug eingestuft wird, trägt der vom Schicksal Auserkorene den Titel „Held”, sofern er bereit ist, sich der Bestimmung zu stellen.

 

Besonderheiten

Ein Held, der sich bereitwillig seiner Bestimmung stellt, ist von einer besonderen inneren Selbstsicherheit erfüllt – zumindest in den Augenblicken, in denen es um deren Erfüllung geht. Von diesen Personen geht eine besondere Aura aus, die dafür sorgt, dass sie auf ihrer Queste andere Mitstreiter finden, die sich ihnen anschließen, und zu denen sie lebenslange Freundschaften aufbauen können.
  Zudem scheinen Helden in der Lage zu sein, viel schneller und mehr Fertigkeiten in ihrem Fachbereich zu erlernen als Nicht-Helden.
  Erwähnenswert ist, dass die Mitstreiter eines Helden nicht selten dessen Bestimmung übernehmen und so selbst zu Helden werden. Ebenso kann es passieren, dass sie selbst eine latente Bestimmung haben, die sich durch den Helden verfestigt, sodass die Gruppe plötzlich mehrere Bestimmungsaufgaben zu erfüllen hat.
  Schafft es ein Held, seine Bestimmung zu erfüllen, wird er zur Legende. Die Autoritäten der Länder werden daraufhin garantiert versuchen, ihn für ihre Vorhaben einzuspannen.
  Dies geschieht nicht selten auch, wenn der Held während der Erfüllung seiner Bestimmung stirbt – solange er nicht scheitert.
Wahre Helden fallen nur dann der Vergessenheit anheim, wenn ihre Kultur untergeht. Selbst dann bleiben ihre Spuren in den Nachbarkulturen noch erkennbar.
  Der Dunkle Meister versuchte einst, alle Erinnerungen an die Sternenelfen auszulöschen, und doch kennen wir noch heute viele Namen wie Rioléth'Prilías oder Vendrá'il'Fineth, da ihre Taten in den Gedankengängen der Völker, mit denen sie in Kontakt getreten sind, haften geblieben sind.
  Und wer von uns könnte nicht die Namen der Helden um die Heilige Sierra Jelnister benennen, welche den Dunklen einst vernichtet haben?
  Dennoch dürfen wir nie vergessen, dass es auch Helden gibt, die uns nicht wohlgesinnt sind, da sie anderen Kulturen oder gar den Völkern der Finsternis entspringen. Ich denke, dass auch der Dunkle Meister ein solcher Held der Finsternis war.
— Galantro der Berben-Barde

 
Eckdaten
Art
Unbefristeter Beruf
Klassifizierung
Vom Schicksal Erkorener
Verliehen von
Glauben anderer
Erhalt
Identifikation durch Orakel, Wahrsager, Astronomen, Barden u.ä.
Beweis
Erhalt einer Bestimmung
Besonderheit
Verfügt über besondere soziale und militärische Fähigkeiten und erlangt dadurch schnell Anhänger und wahre Freunde.




Ablehnen und Scheitern

Nicht selten lehnen potenzielle Helden ihre Bestimmung ab. Entweder beginnen sie nie, dem Ruf zu folgen, und versuchen, den Drang in mundaner Alltäglichkeit zu ersticken. Oder sie fliehen und verstecken sich, sobald ihnen ihre Bestimmung offenbart wurde.
  Auch wenn diese Personen ein glückliches Leben führen können, sind sie stets mit einem tiefsitzenden Schmerz, dem Gefühl von etwas Unerledigtem und der Frage „Was wäre gewesen, wenn ...?” erfüllt.
  Im Gegensatz dazu steht der gescheiterte Held, der seine Bestimmung zwar angegangen ist, jedoch entweder auf dem Weg abgebrochen hat oder gar vor Vollendung der Reise getötet wurde. Die Verstorbenen fallen bald der Vergessenheit anheim, sie werden zu Fußnoten der Geschichte der Barden oder zu warnenden Beispielen.
  Wer seine Reise jedoch abbricht, nachdem er sie begonnen hat, verliert seinen Status und zugleich das Ansehen all derer, die bereit waren, an ihn zu glauben. Diese einstigen Helden werden zu Lachnummern degradiert und werden nie wieder einen respektablen sozialen Status erreichen. Es scheint, als würden sich alle Besonderheiten eines Helden ins Gegenteil verkehren: Sie finden kaum jemanden, der auch nur bereit ist, ernsthaft mit ihnen zu reden, und es scheint, als würde ihnen nichts mehr gelingen.
  Einzig wenn sie ihre Bestimmung doch noch einmal angehen und entgegen allen Wahrscheinlichkeiten Erfolg haben, mag ihnen der Rang eines Helden und seine Besonderheiten wieder anzuhaften.

 
Falsche Helden gibt es wie Sand am Meer!
  Immer wieder versuchen diese Scharlatane, sich mit Gerüchten und blanken Lügen den Respekt der Massen zu sichern. Einige tun dies, um bewundert zu werden oder um Freibiere in der örtlichen Taverne abzustauben, andere versuchen hingegen, gezielt dubiose Machenschaften durchzuziehen oder sie betrügen ganze Gemeinden um ihr Geld, wenn man nicht aufpasst!
  Anders herum gibt es auch die armen Schweine, die denken, sie wären Helden, weil ihnen jemand vorgaukelt, dass sie eine höhere Bestimmung hätten, diese enden meist bald als Bauernopfer in irgendwelchen politischen oder sonst wie gearteten Intrigen.


— Sandra Liesgärtner, Feldling-Bäuerin

 


Cover image: Banner Konflikte by Nightone w/ ChatGPT

Kommentare

Author's Notes

Background images:

Mamor by Nightone w/ Dream

  Ich freue mich über jede Art von Kritik und / oder Lob. Ich antworte auf Deutsch oder Englisch.


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Jun 29, 2026 23:20 by Secere Laetes

Na den "Job" wollen wirklich viele Kinder erreichen. Gut getroffen. Gibt es bei dir eigentlich auch Helden, die erst posthum bzw. nach der Tat zu Helden erklärt bzw. als diese erkannt werden, sei es, dass sie kein Bock hatten, vom Schicksal aber doch hin gedrängt werden oder sei es, dass sie nicht glauben, dass sie dieser Held sein könnten (und etwa auf die Ankunft dieses Helden selbst warten) und es im Endeffekt dann doch (selbst) sind?

Jun 30, 2026 08:24

Hehe, ja, Kinder träumen halt gerne groß. Und ja, es gibt einige Beispiele für Personen, die erst nach ihrem Tod als Helden anerkannt wurden – wenn auch bestimmt nicht jeder unbedingt die Profession „Held“ hatte und somit nicht die durch die „Heldenenergie“ bedingten Sonderfähigkeiten bekam.

Die vom Schicksal Gedrängten gibt es auch – wobei die vermutlich den schwersten Part haben: Alles und jeder glaubt an dich, nur du willst deiner Bestimmung entfliehen und landest doch jedes Mal wieder mitten in der Action. Gleichzeitig bist du von der oben beschriebenen „Leere” erfüllt und dennoch angetrieben, etwas zu tun, das du nicht willst. Das ist die „Heldenhölle” auf Irda, könnte man sagen.
[br Die dritte Gruppe – diejenigen, die nicht erkennen, dass sie der Held sind, oder es nicht glauben wollen – wird wohl die verbreitetste sein. Nicht jeder, der einen inneren Drang zur Bestimmung verspürt, lässt alles stehen und liegen und bricht ins Abenteuer auf ... Zuhause ist es halt bequem, und jemand muss sich um Mutter und Vater kümmern. Was wird aus den Kühen und Hühnern? Alltagssorgen eben. Wer sich davon zurückhalten lässt, wird vermutlich sein Leben lang von dem Gefühl der Sehnsucht heimgesucht, ohne zu wissen, warum – und wird somit auch kein Held sein.
[br Daneben gibt es noch eine weitere Gruppe: Diejenigen, die erst nach einer initialen Tat zum Helden werden, obwohl sie keine Bestimmung hatten. Als Beispiel sei der Bauer und Familienvater genannt, der während eines Angriffs einer Räuberbande plötzlich und entgegen aller Gewohnheit mit dem Mut der Verzweiflung den Räuberhauptmann attackiert und besiegt. Daraufhin wird er vom Dorf als Held und Beschützer angesehen. Er spürt seine neue Bestimmung und erhält nun die „Heldenenergie”. Keine Reise, keine Queste, nur ein lokales Phänomen. Aber bestimmt wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, dass er auf den Straßen der Gegend für Frieden sorgt.

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